• Internat Schloss Wittgenstein, Hauptgebäude

„Faust für alle!“ Großes Theater in der Schloss-Aula!

Schauspieler Steffen Schlösser begeisterte GSW-Schüler

Joel Lehmann als Fausts Famulus Wagner auf der Bühne

Steffen Schlösser holte sich Joel Lehmann, Q1, als Fausts Famulus Wagner auf die Bühne.

Goethes Klassiker „Faust“ ist Pflichtlektüre für das Abitur in Nordrhein-Westfalen und zentraler Bestandteil der Vorgaben des Zentralabiturs. Daher hatte die Fachschaft Deutsch am Gymnasium Schloss Wittgenstein beschlossen, den Schauspieler Steffen Schlösser mit seinem Ein-Mann-Stück „Faust für alle“ einzuladen und die Oberstufenschüler der Jahrgangsstufe 11 sowie 12 zu diesem Theaterbesuch am Donnerstag, dem 17.01.2019, zu „verpflichten“.

Das hörte sich für die Schülerinnen und Schüler zunächst nicht sehr verlockend an. Geht das überhaupt? Goethes Mammutwerk „Faust“ mit diesem schwierigen Text, einer Fülle von Personen und mythologischen Bezügen mit nur einem Schauspieler in 90 Minuten?

Es klappte – und wie! Verstaubter, trockener Stoff? Von wegen!

Steffen Schlösser entpuppte sich als äußerst wandlungsfähiger und mitreißender Schauspieler. Alle Rollen aus Goethes Meisterwerk wurden von ihm kongenial verkörpert: Faust, Mephisto, Direktor, lustige Person, Wagner, Gretchen, Marthe Schwertlein, das Lieschen und viele andere mehr. Alle wichtigen Szenen wurden dargestellt:  Zueignung, Prolog, Erdgeist, Osterspaziergang, Auerbachs Keller, Hexenküche, Walpurgisnacht und schließlich Gretchens Kerkerszene.

Elian Lorenz, Q2, musste das Pentagramm auf den Koffer zeichnen.

Elian Lorenz, Q2, musste das Pentagramm auf den Koffer zeichnen.

Delwen Vomrath, als Gretchen

Delwen Vomrath, Q2, wurde zum Gretchen.

Dabei hatte Schlösser nur einen Koffer dabei, kaum Requisiten, kein Bühnenbild, nur etwas Licht! Der Schauspieler präsentierte das Stück allerdings temporeich, mit unglaublich viel Energie und Humor, aber auch Aktion und vor allem großer Nähe zu seinen jungen Zuschauern. In Sekundenschnelle wechselte Schlösser die Rollen, vom verschlagenen Mephisto zu Gott, von Faust zu Gretchen.

Passagen in Originalsprache wechselten ab mit Erläuterungen und Überleitungen in „Alltagssprache“, in der Schlösser den jungen Zuschauern nebenbei Hintergründe erklärte.
Was ist zum Beispiel ein Pentagramm? Schlösser holte sich einen Schüler (Elian Lorenz, Q2) auf die Bühne und ließ ihn das Zeichen auf seinen Koffer malen! Der Erfolg des Ein-Mann-Stückes besteht sicherlich auch aus den weiteren zusätzlichen Interaktionen mit dem jungen Publikum, die für Lacher sorgten und die Schülerinnen und Schüler permanent in die Handlung einbezogen! Welchen Namen kann man Fausts Gift geben? Wo liegt eigentlich der Brocken? Was ist die Walpurgisnacht? Ein Schüler (Joel Lehmann, Q1) wurde animiert, den Famulus Wagner zu geben, der Faust beim Osterspaziergang begleitet. Ein weiterer Schüler (William Wolzenburg, Q1) wurde als gut aussehender Student mit einbezogen. Den Hexentrank musste ein Schülerin (Isabell Wied, Q1) rühren, ein anderer Schüler (Dominik Schmidt, Q2) gab in einem kurz einstudierten Luftschwert-Duell Gretchens Bruder Valentin und starb den Bühnentod. Als Ansprechpartnerin für das Gretchen holte sich Schlösser ebenfalls eine Schülerin (Delwen Vomrath, Q2) aus dem Publikum.

So gelang es dem Schauspieler, seine jungen Zuschauer für 90 Minuten in den Bann zu ziehen, Spaß und Lerneffekt wurden hervorragend miteinander verbunden und Goethes Schulklassiker wurde im wahrsten Sinne des Wortes entstaubt und „erlebbar“.