Siegener Zeitung vom 14.04.2011, vö Eine für alle Beteiligten absolut zukunftsweisende Kooperationsvereinbarung wurde gestern Mittag auf Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe unterzeichnet: Das Institut Schloss Wittgenstein und der Schulverein als Träger arbeiten künftig eng mit dem Rollstuhlbasketball-Verein RSV Lahn-Dill zusammen. Mit im Boot ist außerdem die Firma Medica-Technik aus Brachbach, Spezialist für Rehaversorgung von Sportlern.
Lose Kontakte zum RSV gebe es bereits seit rund zwei Jahren, verriet Sportlehrer Wolfgang Henkel beim Pressetermin, "jetzt freuen wir uns riesig darüber, dass wir die Zusammenarbeit noch viel intensiver gestalten können". Dabei solle sich das Miteinander keineswegs zu einer Einbahnstraße entwickeln, vielmehr gehe es um ein gegenseitiges Befruchten. Keine Frage: Den Verantwortlichen auf Schloss Wittgenstein ist - um in der Basketballer-Sprache zu bleiben - ein Drei-Punkte-Wurf gelungen. Der RSV Lahn-Dill, der seine Heimspiele in Wetzlar austrägt, ist das führende deutsche Team im Rollstuhlbasketball mit höchsten internationalen Ansprüchen. Im vergangenen Jahr gingen vier Titel nach Wetzlar. Der RSV holte die Deutsche Meisterschaft, den Pokal und außerdem die Champions League und den Weltpokal nach Hessen.
„Wir betreiben Profisport“, sagte Geschäftsführer Andreas Joneck etwas bescheiden. Denn nicht selten sind bei den RSV-Heimspielen 4000 Besucher mit von der Partie, die in der Rittal-Arena für mächtig Stimmung sorgen. Welche Aktionen in der angestoßenen Kooperation künftig forciert werden sollten, darauf wollte sich der RSV-Geschäftsführer noch nicht festlegen: „Die Partnerschaft wird wachsen, da bin ich mir sicher.“
Gut vorstellbar sei, Schüler vom Schloss in die Heimspiele des RSV in Wetzlar einzubinden, wo organisatorisch eine Menge zu erledigen sei. Darüber hinaus habe der Verein hervorragende Erfahrungen gemacht, wenn Athleten des Vereins zu den Schülern in den Unterricht kämen. Fragen, wie das Leben im Rollstuhl sei und welche Sportarten wie umzusetzen seien, würden ganz offen, ohne Vorbehalte diskutiert. Ebenso denkbar: ein Trainingscamp oder die Beteiligung an den Gesundheitstagen.
Auf eines legte sich der RSV-Manager im Pressegespräch fest: „Ich kenne sonst keine Schule, in der Paralympics-Sport so auf dem Programm steht wie hier in Bad Laasphe.“ Andreas Joneck spielte damit auf das Schulprojekt am Gymnasium Schloss Wittgenstein an, in dem der Rollstuhlsport seit mehr als 21 Jahren eine wichtige Rolle spielt – lange Zeit in Kooperation mit den Laaspher Kliniken. Herbert Marczoch, Schulleiter des Gymnasiums Schloss Wittgenstein, erinnerte daran, dass der Gesetzgeber von den Schulen soziale Kompetenzen einfordere. Die Schüler hätten immer sehr positiv auf Rollstuhlfahrer reagiert: „Wenn alle begriffen haben, dass der Rollstuhl nicht nur Kraft und Sitzen allein ist, sondern eine komplett andere Lebensperspektive bedeutet, dann haben wir etwas erreicht.“ Gordon Kämmerling als Repräsentant des Institutes Schloss Wittgenstein wünschte sich, „dass unser Beispiel Schule macht“. Kinder und Jugendliche seien die besten Multiplikatoren in der Gesellschaft. Damit der Rollstuhlsport auch rasch in die Realität umgesetzt werden kann, stellte die Medica-Technik GmbH dem Institut Schloss Wittgenstein einen Sportrollstuhl im Wert von rund 6000 Euro zur Verfügung. „Wir möchten aufzeigen, dass es für Menschen mit Handicap vielfältige sportliche Betätigungen gibt“, sagte Medica-Mitarbeiter Stefan Frisch. Daher halte man es auch für absolut wichtig, dieses integrative Schulprojekt zu unterstützen.





