Exkursion an die Universität Marburg

Ein Morgen im Leben des „verrückten Professors“ Kaufmann

Von Hannah Billich 

Der Tag begann mit der Frage: „Warum stehe ich eigentlich so früh auf?“ Als angehende Abiturientin mutiere ich nach den Prüfungen wohl langsam zum Murmeltier, da ich in der jetzt unterrichtsfreien Zeit meist zu Hause wohne und nur gelegentlich zeitig raus muss. Momentan bin ich aber wieder für ein paar Tage im Internat und – jetzt fällts mir wieder ein – heute wollte ich mit Herrn Kaufmann an die Uni Marburg, mir das Studentenleben aus erster Hand anschauen und ihn bei seinen Kursen dort begleiten. Also auf geht’s, anziehen und los. Herr Kaufmann wollte mich um 7:30 Uhr abholen.

Am Treffpunkt vor der Realschule angekommen, stellte sich mir die zweite Frage des Tages. Ich bin pünktlich, wo ist Herr Kaufmann? In diesem Moment bekam ich eine SmS: „Bin gleich da, eben noch kopieren!“ Wie üblich also. Im Laufschritt kam er auch schon um die Ecke und ab gings in seinem kleinen Autochen nach Marburg. Dort nach einer aufregenden Fahrt angekommen begann auch schon der erste Kurs: „Einführung in die Fachdidaktik des Englischen“.

Ich mischte mich unter die Studenten, alles angehende Lehrer, und Herr Kaufmann begann zu dozieren. Ein Blick in die Runde sagte mir alles: müde Gesichter, hier und da ein unterdrücktes Gähnen. Von angehenden Lehrern hätte ich eigentlich etwas anderes erwartet. Begeisterung für das Thema oder mündliche Beteiligung zum Beispiel. Ich persönlich fand es eigentlich recht interessant. Aber Studenten sind anscheinend auch nicht anders, als Schüler.Später bei der Gruppenarbeit kam langsam etwas Leben in die Gruppe, wobei selbst ich dem Thema gut folgen konnte: „Aufgabenorientierung im Englischunterricht“, eigentlich ziemlich einfach.

Nach einer kurzen Pause von 15 Minuten, in der wir eben schnell mal weitere Medien online stellten, Papiere und Kopien einsammelten und noch die Toilette aufsuchten, schleppte mich Herr Kaufmann auch schon endlose Treppen hoch zum Medienraum im „Geschichtsturm“. Hier fand der Kurs „Presenting Content“ statt.

Die Studenten waren bereits da und warteten gespannt vor ihren bereits hochgefahrenen Pcs. Ich setzte mich auf einen freien Platz und versuchte auch meinen Computer zu starten. Nichts tat sich. Fehler beim booten, na super. „Das ist normal“, sagte Herr Kaufmann, der auch gerade loslegen wollte. Dann fiel ihm auf, dass der Lehrer-PC fehlte und ausgebaut war. Fassungslos starrte er auf die herunterhängenden Kabel. „Wie soll ich in einem Medienraum unterrichten, wenn kein PC da ist?“, entfuhr es ihm. Die Studenten grinsten bereits und zuckten die Schultern. Wie ich später erfuhr, kannten sie schon die diversen Probleme in diesem Raum und waren nicht weiter verwundert. Herr Kaufmann beschloss, sich um seinen Blutdruck zu sorgen und sich nicht weiter aufzuregen. Stattdessen schickte er die Studenten an die Arbeit. Sie sollten Comics, die sie mit Hilfe von Onlinetools erstellt hatten, fertigstellen und in einen Onlineordner hochladen.

Währenddessen machten wir uns gemeinsam auf den Weg um Flipchartpapier zu besorgen. Tafel war ja keine vorhanden, der Beamer funktionierte nicht ohne PC und wir brauchten etwas zum Visualisieren. Nach kurzem Zwischenstopp und etlichen Treppen später kamen wir im Geschäftszimmer der Anglistik an, wieder in einem anderen Turm der „Geisteswissenschaften“. Hier erfuhren wir, dass der PC wohl zur Wartung sei, allerdings vergessen wurde, ihn wieder zurückzustellen. Na super. Weiter gings in den achten Stock, diesmal per Aufzug. Dort besorgten wir einen riesigen Karton voller Flipchartpapier und Herr Kaufmann verdonnerte mich dazu, selbiges – als seine Tagespraktikantin sei ich schließlich dazu verpflichtet – zurück in den PC-Raum zu tragen.

Wieder dort angekommen, schrieb er die Tagesaufgabe für die Studenten an: Eine Webseite sollte mit Hilfe eines Online-Tools erstellt werden. Da wenigstens die Studi-PCs vorhanden waren und zumindest schneckengleich funktionierten, machten sich die Studenten ans Werk. Herr Kaufmann beantwortete noch offene Fragen und half denen, die computermäßig garnicht klarkamen. Letztlich verabschiedeten wir uns und begaben uns noch auf einen kleinen Rundgang durch die Uni.

„Ein ganz normaler Tag mit den üblichen Problemen“, kommentierte Herr Kaufmann das Ganze noch. Wir sahen uns unter anderem noch die englische Bibliothek an und konnten es nicht lassen, noch ein paar Selfies zur Erinnerung zu schießen. Rückblickend muss ich sagen, dass der Vormittag echt lustig war. Was das Studieren angeht bin ich ein wenig entspannter geworden. Auch Studis kochen nur mit Wasser.

Letztlich war Herr Kaufmann froh, dass er mich dabei hatte. Und das nicht nur, weil ich seinen Kaffee getragen habe ;). Insgesamt muss ich sagen, dass der Tag wirklich gelungen war. An Spaß hat es uns zumindest nicht gefehlt! Auch wenn es mal eine Panne gab, haben wir den Tag durch unsere übliche Ironie noch retten können. Auf jeden Fall war es ein lehrreicher Tag, auch wenn ich etwas anderes gelernt habe, als ich zuerst erwartet habe. Jetzt weiß ich: Das Studentenleben ist genau das richtige für mich.

Danke Herr Kaufmann!