Abschlussveranstaltung der Begabtenkurse am Gymnasium

Junge „Autorin“ am Gymnasium Schloss Wittgenstein – Am Freitag, dem 27. Juni, fand im Siegen die Abschlussveranstaltung der Begabtenkurse statt. Im Museum für Gegenwartskunst wurden in feierlichem Rahmen die Ergebnisse vorgestellt und die Teilnehmerurkunden überreicht. Veranstalter ist der „Verein zur Förderung begabter Kinder und Jugendlicher Südwestfalen“ in Zusammenarbeit mit der Universität Siegen.

 

Interessierte und talentierte Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, halbjährige Kurse oder Wochenend-Workshops zu besuchen um sich intensiv mit Themen auseinanderzusetzen, die über den schulischen Lehrplan hinausgehen. Das angebotene Spektrum reicht von Chinesisch über Astrophysik bis hin zur Philosophie. Unter anderem gibt es auch die Möglichkeit, sich auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vorzubereiten.

Nadine Schmidt aus Berghausen besuchte an vier Samstagen im Winterhalbjahr den Workshop „Kreatives Schreiben“. Unter dem Thema „Charakter erfinden und beschreiben“ verfasste sie einen Text, der besondere Beachtung fand und bei der Veranstaltung vorgetragen wurde.

Schulleiter Herbert Marczoch sieht diese Art der Förderung als unverzichtbaren Baustein der schulischen Arbeit. „So können Schülerinnen und Schüler neue Eindrücke sammeln und sich mit Gleichgesinnten in einer angenehmen Lernumgebung den neuen Herausforderungen stellen.“

Die Anmeldungen für das nächste Schuljahr beginnen nach den Sommerferien.

Bericht: O. Wagner

Schattengestalten

Es waren die weithin hallenden Schritte, die sein Dasein verrieten.

Rasche, raumgreifende Schritte, und ihr Nachhall schien in dem finsteren Stollen bis in alle Ewigkeit zu verweilen.

Unzählige kleine Wassertropfen rannen von der balkengestützten Decke auf den unebenen Steinboden, bildeten schmutzige Pfützen überall. Nach Kräften versuchte er es zu vermeiden, in eine solche zu treten, und er stellte sich dabei sogar recht geschickt an. Zwar stand das Wasser ohnehin knöchelhoch in seinen ausgetretenen Lederstiefeln, doch nur der Teufel wusste, was in jenem Gang alles lauern mochte. Er hatte nicht vor, ein unnötiges Risiko einzugehen.

Die lodernde Pechfackel in seiner zerkratzten Rechten war schon zur Hälfte heruntergebrannt und tauchte den Stollen in spärliches, gelbgrünes Licht, das sich in seinen sturmgrauen Augen spiegelte. Ebendiese lagen tief in den Höhlen, und der Ausdruck in ihnen war so hart und unnachgiebig, dass keine Regung darin Platz fand. Die seltsame Färbung des Fackelscheins zauberte Schatten in sein ausgemergeltes Gesicht und verlieh den Furchen darin eine größere Präsenz. Die Haut des Mannes war sehr bleich, eine kränkliche Blässe, die im krassen Gegensatz zu dem zerzausten, rabenschwarzen Haar stand, das ihm fast bis auf die Schultern reichte. Sein Kinn war kantig; und über der großen, schmalen Nase verlief eine dünne, weiße Narbe.

Leise Trippelschritte in der Dunkelheit hinter ihm ließen den hochgewachsenen Grauäugigen herumfahren. Wachsam spähte er in den Gang, aber er war nicht in der Lage, irgendetwas Beunruhigendes zu erkennen. Nun beschleunigte er seinen Lauf, blickte immer wieder erschrocken über die Schulter zurück.

Allmählich wurde der Stollen niedriger und die Temperatur fiel rapide. Er schlug den Kragen des tannengrünen Mantels hoch, den er trug, und zog den Kopf ein.

Eine Zeitlang herrschte absolute Stille, ehe er von einem heftigen Hustenanfall geschüttelt wurde. Versehentlich ließ er die Fackel in eine Pfütze fallen, fluchte ungehalten und verbrannte sich die Finger, als er sie wieder herausziehen wollte.

Mit dem Versiegen der einzigen Lichtquelle verschmolz der Mann mit den Schatten im Gang, und nur seine Schritte und die gelegentlichen Flüche ließen seinen Verfolger wissen, dass er nicht längst der eigenen Angst zum Opfer gefallen war.